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Vorsicht Riester (2)

Verfasst von Stefan Heisel am 20. August 2009

“Die Riester-Abzocke – Gebühren fressen Zulagen

Viele Riester-Sparer füttern ein Monster namens Finanzindustrie: Ihre staatlichen Zulagen kommen nicht der Altersvorsorge zugute, sondern wandern in die Tasche der Anbieter.

Gerade hat das Bundessozialministerium stolz die jüngsten Zahlen zur Riester-Rente verkündet: Mehr als 11,5 Millionen Deutsche haben mittlerweile eine Rentenversicherung, einen Fonds- oder Banksparplan mit dem Namen des ehemaligen Arbeitsministers abgeschlossen. Dieses Jahr wird der Staat die Sparer mit mindestens 1,7 Milliarden Euro bezuschussen, geht man alleine von der Grundzulage in Höhe von 154 Euro pro Person aus – Kinderzulagen und Steuervorteile kommen hinzu.

Zulagen kommen nicht der Altersvorsorge zugute. Und nun kommt heraus, dass die Anbieter der beliebten Finanzprodukte einen Großteil der staatlichen Förderung in die eigenen Taschen wandern lassen. “Die Zulagen kommen in der Masse nicht der Altersvorsorge zugute”, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

So manches Beispiel aus dem Alltag der Berater schockiert. Da ist zum Beispiel der 30-jährige Sparer, der monatlich 99 Euro in eine Rentenversicherung zahlt, im ersten Jahr aber 333 Euro Abschluss- und 186 Euro
Verwaltungskosten entrichtet. Das ist fastdie Hälfte seiner Beiträge. Er müsste die Grundzulage sowie den Bonus für mindestens zwei Kinder (184 Euro je Nachkomme, beziehungsweise 300 Euro für nach 2007 Geborene) kassieren, um diese Ausgaben wenigstens zu kompensieren. Im einem besonders drastischen Fall verzehrten die Kosten sogar das Dreifache der gesamtem Förderung.

Anbieterwechsel ist teuer. Auch wer den Anbieter wechseln möchte, läuft Gefahr, einen Großteil seiner Einzahlungen zu verlieren. “Dass bei einem Anbieterwechsel 88 Prozent der eingezahlten Beiträge wegen Vertragskosten verschwinden, ist ein Skandal”, urteilt Nauhauser. Das gilt insbesondere für Sparer, die frühzeitig wechseln, denn die Gebühren, etwa bei Versicherungen, werden in der Regel auf die ersten fünf Jahre der Laufzeit gestreut.
Trotz der Einbußen kann es sinnvoll sein zu wechseln, erläutert Nauhauser: “In jeder Kategorie gibt es gute und günstige Verträge, und gerade bei langen Laufzeiten reicht es, wenn die Gebühren nur einen Tick geringer ausfallen, um mit einem anderen Vertrag am Ende besser da zu stehen.”

Zwar kann man nicht alle Riester-Produkte in den jeweiligen Kategorien über einen Kamm scheren, im Großen und Ganzen gilt aber:
Banksparpläne sind am transparentesten, was die Kosten angeht, Versicherungen am schwierigsten zu durchschauen und daher am ehesten anfällig für versteckte Gebühren.
“Bei Banksparplänen gibt es meistens nur einen Zinssatz und eine jährliche Kontoführungsgebühr, das versteht jeder”, sagt Nauhauser. Nur, wenn die Zinsen variabel und nicht an Kennzahlen wie die Umlaufrendite gebunden seien, werde es etwas komplizierter. Bei Fonds-Sparplänen fallen neben einer jährlichen Depotgebühr von 15 bis 20 Euro vor allem die laufenden Fondskosten ins Gewicht.
Nicht blindlings dem Hausbank-Berater vertrauen! “

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http://www.sueddeutsche.de/finanzen/891/30784
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